Sonntag, 25. Januar 2015

Pegida-Ableger "Fugida" protestiert in Fulda gegen sich selbst

Fulda (and/unb) - Die 18,5 Teilnehmer des Pegida-Ablegers "Fugida" (Fußpilz Gegen Die Islamisierung des Abendlandes) der osthessischen Stadt sind sich einig: "Wir nehmen einfach an der Demonstration gegen uns selbst teil, weil wir keine eigene Demonstration steppen können."

Hintergrund: Um in Fulda ein klares Zeichen für Weltoffenheit und gegen Rassismus zu setzen, bildeten Bürger gemeinsam mit sämtlichen Parteien, Gewerkschaften, Organisationen und steinewerfenden Kirchengängern ein breites Bündnis. Gemeinsam ist geplant am 26. Januar mit 1.000 + 18 Bürgern anhand einer großen Demonstration ein klares Zeichen gegen Rassismus, Pegida, indiskutables Alzheimer und für Weltoffenheit zu setzen.

Quelle: Facebook "Perlen der Pegida"
Die Netzgemeinde nimmt Fugida inzwischen ernst. Die hessische Kleinstadt, die bundesweit für ihre unkonventionelle Politik und durchaus sinnvolle Nutzung von Steuergeldern bekannt ist, nimmt die Teilnahme von Fugida an der Demonstration gegen sich selbst allerdings mit Humor. "Wie soll man Pegida denn bei solchen Aktionen ernst nehmen? In den Demo-Reden und Kommentaren auf Facebook heißt es doch immer, dass man dort nicht hingehen solle, wo man nicht willkommen sei.", so ein Fuldaer Bürger, der sich an der Demonstration beteiligen wird. Das Bündnis lehnt die Teilnahme von Fugida jedoch klar ab, da man sich klar von Pegida und dem damit verbundenen Fremdenhass distanziert.

MorgenSchau besuchte die Initiatorin und Betreiberin der Seite "Fugida" für ein exklusives Interview:

MorgenSchau: Sie möchten anonym bleiben. Warum?

Fugida: Weil ich zu meiner Meinung und zu meiner Identität stehe.

MorgenSchau: Können Sie diese kurz beschreiben?

Fugida: Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber...

MorgenSchau unterbicht: Okay, haben wir schon verstanden und durchaus kurz genug.

MorgenSchau: "Ist es nicht ein wenig paradox zunächst auf Facebook gegen das Bündnis abzuhitlern, während man wenig später ankündigt aufgrund der Meinungsfreiheit an dem Bündnis teilzunehmen?

Fugida: Nein.

MorgenSchau: Wieso nicht?

Fugida: Wir möchten für Meinungsfreiheit demonstrieren.

MorgenSchau: Die Demonstration richtet sich aber in erster Linie gegen Rassismus und gegen Pegida, also gegen Sie selbst. Würden Sie als Millionärin auf eine Tierschutzdemo gehen, um gegen das Bankensystem zu demonstrieren?

Fugida: Das ist egal. Hauptsache Meinungsfreiheit!

MorgenSchau: Im Internet wird Ihnen vorgeworfen kritische, aber wertschätzende Kommentare zu zensieren.

Fugida: Ja, wir sind für Meinungsfreiheit, aber...

MorgenSchau unterbricht: Vielen Dank, wir haben Verstanden. Vielen Dank für das Interview!

Fugida: Interview? Lügenpresse, Lügenpresse, Lügenpresse!


Fulda ist nicht der erste Marsch unter dem Motto "Rechts Gegen Rechts". Bereits im November 2014 liefen Nazis bei einem Spendenlauf in Wunsiedel unter dem Motto ganze 10.000 Euro für das Aussteiger-Programm "EXIT" ein. Während dieser Marsch noch unfreiwillig geschah, kann Fugida stolz behaupten die erste freiwillige Demonstration dieser Form bundesweit zu sein.